Julia18’s Weblog

Oktober 4, 2008

Analyse zu „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“

Filed under: Uncategorized — julia18 @ 6:32 pm

Analyse zum Dramaauszug „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“

Bei dem vorliegenen Text handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem Drama „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht. Dieses unter dem Einfluss der Weltwirtschaftskrise entstandene Stück erzählt die Geschichte der Johanna Dark, die sich für die Rechte der Arbeiter einsetzt. Nachdem Johanna vergeblich versuchte, mit den „Schwarzen Strohhüten“ der Heilsarmee gegen die steigende Armut der entlassenen Arbeiter anzukämpfen und auch die Verhandlungen mit dem Fabrikbesitzer keine Lösung hervorriefen, bietet Johanna den Arbeitern nun ihre Unterstützung an und kämpft mit ihnen vor den Fabriktoren für die Wiedereröffnung der Schlachthöfe.

In dem folgenden Ausschnitt wird dargestellt, wie Johanna mit den Arbeitern in dem Schlachthof sitzt und auf die Wiedereröffnung der Fabrik hofft. Im Verlaufe des Auszugs wird eine deutliche persönliche Veränderung Johannas sowie verschiedene Meinungen der Arbeitergruppen deutlich, die ich im Folgenden analysieren werde.

Der Auszug beginnt mit dem Auftreten einer Zeitungsgruppe, die Johanna zu ihrer Teilnahme an der „Schwarzen Strohhüte“ Heilsarmee befragen. Dabei scheint es, als ob die Zeitungsleute schon voreingenommen sind und auf eine bestimmte Antwort von Johanna pochen (Z.16). Sie gehen auf Johannas Äußerungen nicht ein (Z.21) bemerken scheinbar Johannas ablehnende Haltung nicht (Z.9). Diese wirkt sehr distanziert und sachlich (Z.15). Im weiteren Verlauf entfernen sich die Zeitungsleute und die verschiedenen Arbeitergruppen legen ihre Meinung zu der momentanen Krisenlage offen. Dabei wird ein starker Gegensatz deutlich. Die eine Gruppe ist der Ansicht, wenn die Not weiter steigt, würden die Fabriken wieder geöffnet werden (Z.29-30). Die andere Gruppe bezeichnet die Fabrikbesitzer als Kapitalisten und glaubt nicht an eine baldige Wiedereröffnung (Z.35-37). Hier wird die Verzweiflung und Zerissenheit der veramten Arbeiterklasse erkennbar. Johanna erläutert daraufhin ihre Sicht zu dem vorherrschenden gesellschaftlichen Problem. Sie bezeichnet die Abhängigkeit zwischen Ober- und Unterschicht als eine Art Schaukel, bei der „unten mehr als oben sein (müssen) “ (Z.63), damit das Gleichgewicht und die Harmonie zwischen den beiden Klassen erhalten bleibt. Bis zu diesem Punkt erscheint Johanna nüchtern, sachlich und distanziert, da sie anfangs nur knappe Antworten gibt und ihre Meinung zu der verarmten Arbeiterklasse nüchtern und ohne jegliche Emotionen darlegt. Im folgenden Teil findet jetzt die Veränderung ihres Verhaltens statt. Nachdem Johanna einen Schluck Whiskey von einem Mann trinkt, der ihr diesen anbot, wird sie von einer ungehaltenen Frau mit Beleidigungen beschimpft (Z. 74). Auf diese Äußerungen reagiert Johanna unerwartet zu ihrem vorherigen Verhalten aufbrausend und geht auf die Provokation ein. Mit Aussagen wie „Halten sie den Mund, Sie dumme Person!“ (Z.77) verdeutlicht sie die vorherrschende Aggressivität unter den Arbeitern, resultierend aus der Massenarbeitslosigkeit. Es zeigt, dass auch Johanna schon Züge des Verhaltens eines Arbeiters besitzt. Sie versucht nun den Arbeitern klarzumachen, dass sie ihr Leben für diese aufgegeben hat (Z.99-103). Dieses macht sie geschickt durch mehrere Vergleiche zwischen den Arbeitern und ihrer Person, wodurch ihre Aufopferung noch mehr zur Geltung kommt (Z.94-96). Die Arbeitergruppen reagieren positiv auf Johannas Äußerung, indem sie Johanna zum Bleiben auffordern (Z.112) und zusammen mit ihr kämpfen wollen.

Im Verlauf des Auszugs ist also eine klare Veränderung von Johannas Verhalten von der Distanzierung hin zur Identifizierung mit den Arbeitern zu erkennen. Auch in der Sprache ist dies deutlich zu vernehmen. So antwortet Johanna den Zeitungsleuten nur mit knappen Antworten, lässt sich im Gegensatz dazu aber auf die Arbeiter ein, indem sie auf deren Probleme eingeht und durch Verbildlichung (Beschreibung der „Gesellschaftsschaukel“) ihre Meinung äußert. Diese Distanzierung ist ein typisches Merkmal des Epischen Theaters und Brechts Dramentheorie. Dieser versucht, die Zuschauer bewusst auf Distanz zu halten, damit sie die dargestellten Probleme erkennen und sich kritisch mit ihnen auseinandersetzen. Bei diesem Drama ist das dargestellte Problem also die Verarmung der Arbeiterklasse durch Massenarbeitslosigkeit. Noch anzufügen ist auch, dass Brecht sein Drama basierend auf dem Drama „Die Jungfrau von Orléans“ von Schiller verfasst hat. So ist beispielsweise eine Umdeutung des Nachnamens ein wichtiger Aspekt. Die Johanna von Schiller besitzt den Nachnamen „d’Arc“, Brecht wandelte diesen in „Dark“ um. Dies scheint ein Synonym dafür zu sein, dass Johanna den „Weg des Ungewissen“ geht da „Dark“ im Englischen „dunkel“ bedeutet.

Meiner Meinung nach schafft Brecht es, durch das Verhalten der Johanna die Zuschauer auf Distanz zu halten und zu kritischem Hinterfragen anzuregen. Dies wird vor allem durch Johannas Beschreibung der sogenannten „Schaukel“ ausgelöst. Ich empfinde ihren Vergleich als sehr plausibel, denn weder die Oberschicht noch die Unterschicht kann ohne den anderen existieren. Für eine funktionierende Gesellschaft müssen die Beiden harmonieren.

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2 Kommentare »

  1. hallo Julia,
    mir gefällt deine Analyse sehr gut, vorallem, dass du zum Ende hin nocheinmal kurz den Verlauf erläuterst. Dadurch sind noch einmal die wichtigsten Punkte aufgegriffen worden und dem Leser verständlich gemacht worden.
    lg janna

    Kommentar von janna91 — Oktober 6, 2008 @ 1:52 pm

  2. Hey Julia!
    Ich finde deine Bearbeitung wirklich sehr gut. Sie ist gut strukturiert und sprachlich ziemlich gut. Außerdem sind die wesentlichen Punkte enthalten. Den einzigen Kritikpunkt den ich hätte wäre, dass du das Drama linear analysiert hast, obwohl wir doch eigentlich eher eine aspektorientierte Analyse schreiben sollten oder?
    LG Ramona

    Kommentar von 12ernies — Oktober 6, 2008 @ 10:07 pm


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